Kategorie: Essay

Kreativität – Das Kind der Freiheit

Kreativität - Das Kind der Freiheit

„widewidewitt ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“.

am 1. Juni 2016, am internationalen Kindertag, musste ich an Pipi Langstrumpf denken, an ihre unkonventionelle, freche Art, die Welt zu betrachten. Wie frei, offen und ohne Vorurteile wäre doch die Welt, wenn wir Erwachsenen unsere kindliche Neugier und ungezwungene Kreativität im Laufe des Erwachsenenwerdens nicht verlieren würden.
Gerade für mich als Künstlerin, ist die Kreativität der Ursprung von alledem, was mich ausmacht. Ich versuche mich weiter zu entwickeln und das geht nicht ohne Kreativität. Ich habe versucht, dem Wesen der Kreativität auf den Grund zu gehen, herauszufinden, was mir daran manchmal so schwer fällt, mich im gleichen Augenblick aber wieder leicht und freudvoll werden lässt. Ich weiß immer noch nicht so richtig, wonach ich eigentlich genau gesucht habe, aber nach dem Lesen sämtlicher Literatur war ich irgendwie ernüchtert.

Das gerade erst neu erschienene Sonder-Magazin vom Spiegel „Kreativität“ war das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“. In dem ganzen Heft ging es leider nur oberflächlich und ansatzweise um das Thema Kreativität, nämlich als einem Motor, der dazu dient, das neue Produkte entwickelt werden, die sich noch dann noch besser verkaufen sollen. Die Kreativität wird dazu missbraucht, um noch mehr zu verdienen, um noch mehr Gewinne zu erzielen.

Ich nehme mich hiervon, wenn ich ehrlich bin, nicht aus. Wann war ich eigentlich das letzte Mal kreativ, ohne abschließend eine Absicht im monetären Sinne zu verfolgen. Nur einfach so, um ein tolles Gefühl, welches Kreativität erzeugen kann, zu erleben. Einfach um ihrer Selbst willen. In meiner Kindheit? Ich kann mich nicht erinnern.

Aber ich weiß genau, wann ich anfing, Kreativität bewusst zu nutzen, um etwas zu erreichen. Da ging es im Studium um meine Diplomarbeit, spätere dann um kreative Bewerbungen in meinem Job als Produktmanagerin, als ich mir tagelang in meinem Büro die kreativsten Projekte ausgedacht habe. Immer werde ich unwahrscheinlich kreativ, wenn ich mir Arbeit ersparen will, wenn ich etwas schneller erreichen möchte. Seit fünf Jahren bin ich nun selbstständig und ich muss mich ständig neu erfinden. Immer der Zeit voraus, immer wieder der Versuch, vorhandene Dinge neu zu denken. Denn letztendlich, das weiß jeder von uns, gibt es nichts, was es nicht schon gibt. Die Frage ist, wie man es besser und anders machen kann.

Fotoreise - Fotografieworkshop - Rügen, eine WinterreiseSinnli

Ich habe an mir persönlich festgestellt, dass ich viel kreativer bin, wenn mich eine andere Person fragt, frei nach dem Motto „Jana, ich habe eine Idee, was meinst du dazu?“ Dann sprudle ich über, bin eine wahrhaftige Ideenmaschine.

Aber warum ist das so, warum fällt es mir für andere viel leichter, kreativ zu sein? Ich denke, es ist eigentlich ganz einfach. Nämlich weil ich dann vorbehaltlos, spontan und uneigennützig an die Sache gehe. Ich muss mit den Ideen nichts erzielen, ich bin frei in meinem Denken. Und nicht nur das, Kreativität lebt von der Seele. In allen Artikeln, die ich bisher gelesen habe, geht es in der Kreativität um Dinge, die materiell umgesetzt werden sollen. Aber das Essentielle, das, was die Kreativität so einzigartig und universell macht, das bleibt auf der Strecke. Das derjenige, der die Kreativität in sich spürt und sie dann nach außen umsetzt, von seiner Seele genährt wird. Die Kreativität sollte die liebevolle Hinwendung zu etwas sein. Kreativität ist ein Kind der Freiheit, des freien Fließen, das uns mit Energie auflädt und uns nährt.

Kreativität - Das Kind der Freiheit

Das habe ich begriffen, als ich einen Kurs zur intuitiven Malerei besucht habe. Egal, wie wir uns ausdrücken, ob mit der Kamera, mit Hammer und Meißel, mit dem Pinsel oder Bleistift – genährt werden wir von unserer Seele. So stand ich vor einem leeren Blatt Papier und habe angefangen, mit meiner linken ungebräuchlichen Hand Linien zu ziehen. Die rechte Hand lag still auf meinem Herzen. Während ich malte und viel Zeit mit mir selber hatte, fühlte ich tief in mich hinein. Auf einmal wurden mir Wege klar und deutlich, für die ich in letzter Zeit das Gefühl verloren hatte. Ich war unglaublich kreativ gewesen, mir Dinge zu überlegen, die ich beruflich machen könnte. Aber ich habe mich dabei zu sehr von anderen Dingen und Konventionen leiten lassen, als von denen, die meine Seele berühren. Ich spürte schon, dass sie sich nicht richtig anfühlten, aber ich war doch so kreativ gewesen, dass ich sie nicht loslassen wollte. Denn diese Kreativität hat mich viel Kraft, Zeit und Arbeit gekostet. Doch genau das sollte sie nicht. Kreativität darf nicht mühevoll und schwer sein. Sie muss von der Seele getragen werden. Das Mal-Wochenende hat mir sehr viel gezeigt und ich bin dankbar, dass ich wieder ein Stück zu mir gefunden habe und Dinge losgelassen habe, die mich nicht nähren. Gleichzeitig war es ungemein befreiend für mich, einmal wieder frei mit Farben zu malen, ohne dass es schöne Bilder werden mussten. Farbe an den Händen zu spüren und damit über das Papier zu streichen. Einfach nur fühlen ohne dabei zu denken. Es war unglaublich, was dieser einfache Prozess in mir ausgelöst hat.

Und das ist das, was ich dir heute weiter geben möchte. Nimm einfach einmal wieder ein paar Farben in die Hand, ein Blatt Papier und male wild drauf los. Ohne die Absicht, besonders kreativ sein zu müssen und ohne den Gedanken im Kopf „Ich kann doch gar nicht malen“. Es geht nicht darum, schön zu malen und der nächste van Gogh zu werden. Nein, lass los. Nimm dir die Zeit und lass die Gedanken fließen. Du wirst dann merken, wie wunderbar sich dieser Prozess auf deine Fotografie auswirkt und welche kreativen Ideen du entwickeln wirst, die deine Seele berühren. Das Bild dient als Tor zur Seele.

In diesem Sinn wünsche ich dir eine wunderbare Woche.

Frisch erschienen: Zen – Die Leichtigkeit der Fotografie

Die Leichtigkeit der Fotografie Jana Mänz und Beatrix Rautenberg zeigen aus ihrem jeweiligen Blickwinkel, wie man einen persönlichen und auf das wesentliche konzentrierten Zugang zur Fotografie finden kann. Durch das bewusste Hinschauen entstehen Bilder, die nicht plakativ schön sind, sondern den Betrachter gerade durch ihre authentische Unvollkommenheit berühren. Übungsvorschläge helfen beim Umsetzen dieses Zugangs zur Fotografie.

Am 22.2.2016 ist die neue C’t digitale Fotografie erschienen. In ihr ein Artikel über Zen-Fotografie, den ich zusammen mit Beatrix Rautenberg geschrieben habe.

Erste Lesermeinungen:
Birgit:  “Ein wirklich schöner Artikel – ich habe gestern hier auch noch ein Heft aufgetrieben.
Kuni: Mittlerweile habe ich den Artikel gelesen. Toll geschrieben. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mir die Inhalte des Photozen wieder mehr verinnerlichen muss.”
Manfred: “Ich habe mir die Zeitschrift schicken lassen, wirklich toll geschrieben, ich habe vorher nicht mit so einem umfangreichen Artikel gerechnet.

Kleine Momente

Kreativer Landschafts- und Naturfotografie-Kurs [2 Tage]
– Von der Inspiration zum fertigen Kunstwerk –
Natur- und Landschaftsfotografie ist keine Frage der teuersten Fotoausrüstung und einer aufwendigen Fernreise. Viel wichtiger ist das Sehen und Wahrnehmen eines ganz besonderen Motivs. Das kann direkt vor deiner Haustür liegen und noch so klein und unscheinbar sein. Mit ein wenig Kreativität und der Anwendung von Komposition, Licht und Blende machst du aus einem langweiligen Bild ein ganz besonderes Foto. Wir möchten dir unsere Herangehensweise zur Naturfotografie vermitteln. Dabei gehen wir ganz individuell auf deine fotografischen Vorkenntnisse ein und verraten dir bei gemeinsamen Fotospaziergängen Übungen, kreative Bildgestaltung und persönliche Tipps. Dabei geht es nicht nur um die Kameratechnik, sondern auch um das Sehen, Wahrnehmen und die Inspiration, die du in der Natur in jeder Jahreszeit finden kannst. Wir werden dich nicht mit grauer Theorie langweilen, sondern vielmehr vor Ort auf deine Fragen eingehen. Individuell und persönlich.

Der Kurs geht 2 Tage (2x8h) und kann ganz individuell von dir zu einem Zeitpunkt deiner Wahl gebucht werden. Der Kurs ist keine Gruppenveranstaltung, sondern wir sind ganz persönlich für dich da. Wir gehen auf deine Fragen sehr intensiv ein.

Vor einiger Zeit las ich unter einem von mir veröffentlichten Interview über meine Arbeit als freiberufliche Fotografin, dass man mich für meinen Mut, diesen Schritt gegangen zu sein, sehr bewundern würde.
Als ich diesen Schritt jedoch tat, fühlte sich dies für mich gar nicht so mutig an. Es war eher eine Möglichkeit für mich, etwas in meinem damaligen Leben zu ändern, aus den vorher so geordneten Bahnen eines sicheren Jobs auszubrechen, der mich die letzten Jahren nicht mehr so recht glücklich gemacht hatte. Ich war unzufrieden und ich träumte von einer besseren Zukunft.

Ich dachte damals zudem, mit einem Kind würde alles besser werden und das Leben ergäbe dann einen Sinn. Als mein Sohn gesund geboren wurde, erfüllte sich mein Traum. Doch schnell merkte ich, dass die Rolle der selbstaufopfernden Mutter so gar nicht mein Ding war und ich wollte schnell wieder arbeiten. Doch beide Dinge – einer Arbeit nachzugehen und Mutter zu sein – ließen sich für mich nicht in dem Maße vereinbaren, wie mein Kind und der Arbeitgeber es forderten.

Der Schritt in die Freiberuflichkeit war das, was mir nun die Möglichkeit bot, beides miteinander zu vereinbaren. Diese Entscheidung wird in diesem Jahr bereits fünf Jahre alt und ich habe seitdem soviel erlebt, dass ich eigentlich darüber auch mal ein Buch schreiben sollte.
Kreativer Landschafts- und Naturfotografie-Kurs [2 Tage] – Von der Inspiration zum fertigen Kunstwerk – Natur- und Landschaftsfotografie ist keine Frage der teuersten Fotoausrüstung und einer aufwendigen Fernreise. Viel wichtiger ist das Sehen und Wahrnehmen eines ganz besonderen Motivs. Das kann direkt vor deiner Haustür liegen und noch so klein und unscheinbar sein. Mit ein wenig Kreativität und der Anwendung von Komposition, Licht und Blende machst du aus einem langweiligen Bild ein ganz besonderes Foto. Wir möchten dir unsere Herangehensweise zur Naturfotografie vermitteln. Dabei gehen wir ganz individuell auf deine fotografischen Vorkenntnisse ein und verraten dir bei gemeinsamen Fotospaziergängen Übungen, kreative Bildgestaltung und persönliche Tipps. Dabei geht es nicht nur um die Kameratechnik, sondern auch um das Sehen, Wahrnehmen und die Inspiration, die du in der Natur in jeder Jahreszeit finden kannst. Wir werden dich nicht mit grauer Theorie langweilen, sondern vielmehr vor Ort auf deine Fragen eingehen. Individuell und persönlich. Der Kurs geht 2 Tage (2x8h) und kann ganz individuell von dir zu einem Zeitpunkt deiner Wahl gebucht werden. Der Kurs ist keine Gruppenveranstaltung, sondern wir sind ganz persönlich für dich da. Wir gehen auf deine Fragen sehr intensiv ein.

Leider ist das Leben als freiberufliche Mutter nicht so rosig, wie das von außen vielleicht wirken mag. Schöne Fotografien täuschen oft über die Realität hinweg. Das schwierigste dabei ist für mich, meinen eigenen Weg und Stil zu finden und diesem dann treu zu bleiben. So habe ich Projekte gemacht, die ich im Nachhinein hätte niemals beginnen dürfen, weil sie einfach nicht zu mir gepasst haben. Bei denen ich inhaltlich und persönlich in der Umsetzung nicht mit mir zufrieden war. Vor allem haben diese mich viel Kraft gekostet, Kraft, die ich lieber in andere Dinge hätte stecken sollen.

Manche Monate sind so an mir vorbei gegangen, in denen ich die Veränderung der Jahreszeiten nicht mehr wahrgenommen habe. Berge von Verpflichtungen – Abgabetermine, unzählige Nachrichten, die beantwortet werden sollten, bürokratische Aufgaben und, nicht zu vergessen, die familiären Termine– führten zu viel Unruhe und Stress.
Am meisten hat mich bedrückt, keinen Antrieb mehr zu haben, für mich fotografieren zu gehen und kreativ zu werden. Die finanziellen Unbeständigkeiten verstärkten die Anspannung und jede Stunde, die ich nicht gearbeitet habe, verursachten Schuldgefühle, zu wenig gemacht zu haben. In dieser Zeit habe ich angefangen, Bücher und Zeitschriften zu suchen, in denen ich mich und meine Gedanken wieder finden konnte. Schnell stellte ich fest, dass ich die vielen tollen Tipps aus Magazinen, wie Flow oder Emotion Slow, nicht umsetzen konnte. Sie fühlten sich fremd für mich an, aufgezwungen und realitätsfern. Untermalt mit schönen Bildchen, die mir eine Realität vorgaukeln, die es nicht gibt. Ich fühlte mich beispielsweise von Frauen, die über ihr Burnout geschrieben haben und heute als „Juice-Coach“ andere glücklich machen, einfach nicht angesprochen.

(Solltest du wie ich nach “sinnvoller” Literatur suchen, empfehle ich gerne das Buch “Die Sinn-Diät“. Ein Buch, in dessen Inhalt dem ich mich oft wiedergefunden habe. )

Kreativer Landschafts- und Naturfotografie-Kurs [2 Tage] – Von der Inspiration zum fertigen Kunstwerk – Natur- und Landschaftsfotografie ist keine Frage der teuersten Fotoausrüstung und einer aufwendigen Fernreise. Viel wichtiger ist das Sehen und Wahrnehmen eines ganz besonderen Motivs. Das kann direkt vor deiner Haustür liegen und noch so klein und unscheinbar sein. Mit ein wenig Kreativität und der Anwendung von Komposition, Licht und Blende machst du aus einem langweiligen Bild ein ganz besonderes Foto. Wir möchten dir unsere Herangehensweise zur Naturfotografie vermitteln. Dabei gehen wir ganz individuell auf deine fotografischen Vorkenntnisse ein und verraten dir bei gemeinsamen Fotospaziergängen Übungen, kreative Bildgestaltung und persönliche Tipps. Dabei geht es nicht nur um die Kameratechnik, sondern auch um das Sehen, Wahrnehmen und die Inspiration, die du in der Natur in jeder Jahreszeit finden kannst. Wir werden dich nicht mit grauer Theorie langweilen, sondern vielmehr vor Ort auf deine Fragen eingehen. Individuell und persönlich.  Der Kurs geht 2 Tage (2x8h) und kann ganz individuell von dir zu einem Zeitpunkt deiner Wahl gebucht werden. Der Kurs ist keine Gruppenveranstaltung, sondern wir sind ganz persönlich für dich da. Wir gehen auf deine Fragen sehr intensiv ein.

An dieser Stelle sollte eigentlich die positive Geschichte kommen, wie ich anderen zeigen kann, wie man als Freiberuflerin, Mutter und Ehefrau superglücklich und erfolgreich werden kann. Doch diese Geschichte gibt es nicht. Es kommen noch immer viele Tage vor, in denen ich alles hinwerfen möchte und überlege, ob man mich bei Aldi um die Ecke als Kassiererin nehmen würde. Wäre dann das Leben nicht um so vieles Einfacher?
Aber den Gedanken verwerfe ich dann wieder, denn man würde mich bestimmt nach einem Tag schon wieder rauswerfen, da ich mit Zahlen wenig im Sinn habe und so alles durcheinander bringen würde.
So versuche ich, mir immer wieder, ohne schlechtes Gewissen Auszeiten zu nehmen und Dinge zu tun, die mir mein reines Pflichtbewusstsein eigentlich verbieten.

Ich war vor kurzem an einem Montagmorgen im Botanischen Garten mit einer Kanne Kaffee und mit meiner Kamera und habe dort – zur Belustigung der dortigen Gärtner – fotografiert und den kalten sonnigen Wintermorgen genossen. Auch mit dem Bewusstsein, dass ich diese Bilder beruflich so gar nicht gebrauchen kann. Ich hatte mich in letzter Zeit oft dabei ertappt, Bilder machen zu wollen, von denen ich glaubte, die wären sinnvoll für die Bildagentur oder für ein Buchprojekt.
Wo bleibt dabei  die persönliche künstlerische Freiheit?

Ich erlaube mir auch, kurze Reisen zu unternehmen, obwohl ich weiß, dass man sich in meinem Umkreis bestimmt darüber auslässt, wie ich mir dies leisten kann. Doch das Leben ist viel zu kurz und was gibt es schöneres, als sich Landschaften anzuschauen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Es müssen ja nicht die aufwendigen teuren Flugreisen in fremde Länder sein, Reisen innerhalb Deutschlands und Europa machen mich so dankbar und glücklich, vor allem wenn mich meine Familie begleitet und wir diese Zeit zusammen erleben.
In diesen Momenten sammle ich dann wieder die Kraft für zukünftige Projekte und es entstehen neue Ideen. Die Suche nach dem allumfassenden Glück habe ich jedoch aufgegeben. Nun ja, was ist schon Glück? Vielmehr versuche ich dankbar zu sein, die wenigen schönen Momente mit meiner Familie erleben zu können. Ich bin nicht glücklicher, wenn ich erfolgreicher bin und mehr konsumieren könnte. Ich versuche mich von dem gesellschaftlichen Druck zu lösen, der den Erfolg nach der Zahl der Leser in den eigenen Social-Media-Accounts bemisst. Diese Welt ist nicht real. Was ist schon ein Like gegen eine Umarmung meines Sohnes? Was ist schon eine Stunde vor dem PC gegen eine Stunde in der Natur? Ich versuche langsam zu begreifen, was für mich persönlich zählt, was mich zufrieden macht und mir Freude bringt.

Ich möchte gerne mit dir meine persönliche Geschichte teilen. Vielleicht geht es dir auch so, dass du denkst, die anderen sind ja soviel erfolgreicher und glücklicher. Doch meine Erfahrung zeigt mir, dass der Schein oft trügt. Wir können nicht hinter jede Fassade gucken, wir würden dann vielleicht etwas ganz Anderes entdecken. Stattdessen sollten wir den Blick nach Innen richten. Etwas tun, was uns selber gut tut, egal was die anderen darüber denken. Wir leben in einer Gemeinschaft, in denen uns gesellschaftliche Konventionen und Konsumdruck unserer persönlichen Freiheit berauben. Es ist nicht leicht dem zu widerstehen und sich nach anderen Dingen zu orientieren.

Ich versuche es jeden Tag ein bisschen.

Bildergeschichte: Schwanstein

Der Schwanstein ist der fünftgrößte Findling auf Rügen und liegt vor der Küste in Lohme. Vor Ort steht am Strand eine Gedenktafel, die die geologische Geschichte des Findlings beschreibt. Gleichzeitig erzählt diese die tragische Geschichte von drei Jungs, die auf diesem Stein in diesem Monat vor 58 Jahren gestorben sind. Vor Ort ist mir beim lesen der Geschichte eine richtige Gänsehaut entstanden, zumal mein Sohn nur wenige Meter davor mit viel Spaß Steine ins Meer geworfen hat. Noch von der Geschichte beeindruckt, bin ich wenige Meter später  auf den nassen Steinen an der Küste ausgerutscht und habe die Steinstrandwanderung mit einem kaputten Knie aufgegeben. Auf dem Weg die Steilküste wieder hinauf, konnte ich von oben auf den Schwanstein schauen und dachte dabei an die traurige Geschichte der drei Jungen. Es ist kaum vorstellbar, liegt der Stein doch nur wenige Meter vom Strand entfernt im Wasser und heute schien die Sonne auf den Stein und das Meer war glatt wie ein Spiegel. Das es um dieses Jahreszeit auch anders aussehen kann und ich Fotowanderungen aufgrund von Schnee und Eis aufgeben musste, habe ich im letzten Winter auf Rügen erlebt. Und während ich auf den Schwanstein schaute, schwammen drei wunderschöne Salzwasserschwäne auf den Stein zu. Was für ein schönes Bild für die drei Jungs, die dort ihr Leben lassen mussten. Jetzt werden ihre Seelen von den Schwänen bewacht…

Die Tragödie um den Findling Schwanstein von Lohme
Am 13. Februar 1956 ereignete sich auf dem Schwanstein eine schreckliche Tragödie. 2 Kinder aus dem damaligen Lohmer Kinderheim und ein Junge aus dem Dorf gingen auf die leicht zugefrorene Ostsee.
Als plötzlich ein orkanartiger Sturm aufkam und das Eis brechen ließ, suchten die Kinder Schutz auf dem Schwanstein. Von Land aus beobachtete der Fischersohn Freese die Kinder auf dem Findling und alarmierte den Wachtmeister von Lohme, der umgehend Hilfe anforderte.
Der Stein ist bei ruhigem Meer etwa 20m vom Ufer entfernt. Einheimische Fischer, Grenzsoldaten aus Lohme, Sowjetische Soldaten aus Ranzow und weitere Hilfskräfte gelang es nicht sich gegen den starken Sturm und die hohe Brandung der Ostsee durchsetzen. Am frühen Morgen des 14. Februar 1956 herrschte dann Windstille und die Sonne schien. Erst jetzt gelang es die 3 zu einem Eisblock erstarrten Kinder zu bergen. Die Kinder wurden auf dem Friedhof von Nipmerow beerdigt. Auf Initiative von ehemaligen Kindern des Kinderheimes Lohme wurde nach 39 Jahren das Grab am 14.Februar 1995 mit einem Grabstein versehen.

findling-schwanstein-ruegen

Die Frage nach dem “WARUM” der Fotografie

die Frage nach dem Sinn der Fotografie

Die Fotografie ist ein essentieller Bereich meines Lebens geworden. Das merke ich daran, das ich persönlich immer weniger fotografiere bzw. die Kamera, kurz bevor ich auf den Auslöser drücke, fallen lasse und mich frage, warum ich das fotografieren will. Dieses Warum beschäftigt mich so stark, sodass ich mich manchmal sehr eingeschränkt fühle. Trotzdem empfinde ich es als wichtig, zu reflektieren, genauer hinzuschauen und mir klar zu werden, dass ich manchmal nur fotografiere, weil mich das Motiv glücklich macht. Weil es Erinnerungen festhält und weil es für mich persönlich wichtig ist.

Ich stelle mir die Frage nach dem Sinn der Fotografie

In Gesprächen mit Kollegen erfuhr ich, dass oft Fotos gemacht werden, weil man sie ausschließlich für Fotowettbewerbe macht. Ein Foto wird ausschließlich mit dem Ziel gemacht, einen Wettbewerb zu gewinnen. Doch kann das funktionieren? Fotografieren ohne Seele, ohne Gefühl, ohne einen echten Grund? Reicht die Sammlung nach Trophäen als Grund für die Fotografie wirklich aus?

Zuletzt habe ich in einem Portfolio Fotos betrachtet, die ein junges Mädchen zeigen.
Der Fotograf beschrieb die Szenerie: Eine Gruppe junger Fotografen ist mit zwei hübschen Mädchen in den Wald gefahren. Die Mädchen wurden am Baum fotografiert, liegend auf der Erde – in diversen Konstellationen. Alle Fotos waren hübsch. Und jetzt? Warum wurden sie gemacht? Als Erinnerung für die hübschen Mädchen? Für die Fotografen, die üben wollten, im schattigen Wald zu fotografieren? Weil der Wald dadurch besser aussah? Oder die Mädchen?

Ich persönlich habe den Sinn dahinter nicht verstanden. Die Gesichter habe ich bis heute wieder vergessen, es war kein Bild dabei, welches mit emotional berührt hat. Außer vielleicht einem mütterlichen Gedanken, à la “Hoffentlich verkühlen sich die Mädchen auf dem Waldboden nicht”. Natürlich könnte man diese Fotos jetzt als “Kunst” verkaufen. In der Kunst ist alles erlaubt, doch das wäre zu einfach. Oder versuche ich vergebens, einen Sinn dahinter zu finden und es ging einzig allein um Spaß? Gehe ich zu ernsthaft mit diesem Thema um?

Warum fotografiere ich?

Auch wenn der Spaß nicht zu kurz kommen soll bzw. es auch erlaubt sein sollte, einfach mal so Fotos zu machen, finde ich es wichtig, wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt und darüber reflektiert, warum man fotografiert.

Gerade in der heutigen Zeit, in der tagtäglich Milliarden Fotos ins Netz gestellt werden, es technisch kein Problem ist, 1000 Fotos in der Stunde zu machen, eine Zeit, in der das einzelne Foto an sich nicht mehr wichtig ist, kann es tröstlich sein zu wissen, dass man Fotografien erstellt hat, die Erinnerungswert haben. Die Gefühle ausdrücken, die glücklich machen. Die man ganz für sich alleine oder für die Familie gemacht hat.